Delmenhorst / Vechta / Oldenburger Land (LCV) Sie stammen aus Moldawien. Haben zwei Kinder, mit denen sie vor drei Jahren nach Deutschland kamen. Das dritte ist unterwegs. Beide Eltern arbeiten Vollzeit als Produktionshelfer, teilen sich die Schichten einer Stelle auf. Das Geld reiche ihnen dennoch nur knapp zum Leben, schildert die Delmenhorster Caritas-Beraterin für Schwangerschaftsfragen, Ruth Bock-Janik. Statt der 70 Quadratmeter-Wohnung habe sich bisher noch keine bezahlbare größere gefunden.
Damit zählt das Paar als einer von 2048 Fällen, die im letzten Jahr an einem der 13 katholischen Beratungsorte für Fragen rund um die Schwangerschaft im Oldenburger Land die Schwelle zum Beratungszimmer überschritten haben.
Zugewanderte Schwangere, wie sie in Delmenhorst oft an die Caritas-Tür klopfen, bestätigt Bock-Janik. Aus 39 Nationen seien die Ratsuchenden 2022 gekommen. Die Frauen alleine oder auch mit ihrem Mann oder Partner. 339 Fälle insgesamt in Delmenhorst. Ein Drittel dieser Menschen kam aus Deutschland, ein Drittel aus dem EU-Ausland und ein Drittel aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder dem Irak.
Damit weichen die Delmenhorster ab von den oldenburgischen Caritas-Gesamtzahlen, wonach 2022 45 Prozent der Klientinnen einen deutschen Pass hatten, 14 Prozent aus dem EU-Ausland kamen und 25 Prozent von außerhalb der europäischen Grenzen.
Fälle, die komplexer geworden sind, schildert Bock-Janik. Bei denen die Beratung nicht mehr wie früher 60, sondern jetzt auch mal 100 Minuten dauert. Bei denen es in Einzelfällen bis zu 40 Kontakten Auge in Auge oder per Telefon gibt.
Frauen, die ohne Krankenversicherung kommen. Schwangere, in Einzelfällen erst 15 oder 16 Jahre jung und mit ihrem 18-jährigen Partner voller Vorfreude im Beratungszimmer. Oder auch Frauen, die mit 45 zum ersten Mal schwanger werden.
Schwangere, von denen aufs Oldenburger Land bezogen knapp 60 Prozent keinen Berufsabschluss hatten und 40 Prozent ledig waren.
Klientinnen, für welche die katholischen Beraterinnen 1087 Anträge bei der Bundes-Stiftung "Mutter und Kind" gestellt haben und die mit 860.000 Euro bewilligt wurden, berichtet Caritas-Fachberaterin Rita Schute. Weitere 160 Anträge bei kirchlichen Stiftungen im Bistum Münster, wodurch zusätzlich rund 63.000 Euro bewilligt wurden.
Einen weiteren Schwerpunkt gibt es in Delmenhorst und an anderen Standorten - jenseits vor jeder Schwangerschaft: sexualpädagogische Bildung. Will sagen: Workshops in Schulen zu Pickeln oder fettiger Haut in der Pubertät, zum Thema ‚LGBT‘ oder zur Frage, wie man später einmal Beziehung möchte.
Das Frauenbild aus gewaltverherrlichenden Tik-Tok-Videos in den 67 Workshops im letzten Jahr zurechtzurücken, sei eines der Ziele gewesen, schildert Caritas-Referentin Kathrin Schomaker. "Denn damit gehen die jungen Menschen sonst ins Erwachsenenalter."
Während Pornografie für die jährlich rund 1000 Schüler vor fünf Jahren noch kein Thema gewesen sei, tauche es heute immer stärker auf. Erstmals habe man das Programm im letzten Jahr auch an einer Förderschule angeboten. Auch das I-Pad und damit der Einsatz neuer Medien sei fester Bestandteil der Arbeit geworden. Denn: "Dr. Sommer aus der Bravo kennt niemand mehr", erlebt Schomaker.
Beratungsstellen rund um das Thema Schwangerschaft gibt es in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen in Cloppenburg (Außenstellen: Barßel, Friesoythe, Löningen), Oldenburg und Vechta (Außenstelle: Damme). Die Caritas unterhält Stellen in Delmenhorst, Nordenham (Außenstelle: Brake) und Wilhelmshaven (Außenstellen: Varel, Schortens). Weitere Infos unter www.lcv-oldenburg.de oder bei Rita Schute, Landes-Caritasverband, Tel. 04441/8707-0.
Pressemitteilung
Pornografie immer stärker ein Thema
Erschienen am:
28.06.2023
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